Geburtshilfe 

Ingeborg Stadelmann


Vortrag von Ingeborg Stadelmann aus der Zeitschrift HebammenInfo, Jahrestagung der EKiZ

Neue Wege in der Geburtshilfe und Wochenbettperiode
Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ), Graz, Österreich - 2. Teil des Berichts von Jutta Ott-Gmelch, Frankfurt/Main
Nach dem im letzten INFO vorgestellten Workshop von Dr. Terence Dowling wurde die eigentliche Tagung am 1.Oktober von den Veranstalterinnen eröffnet. Den ersten Fachvortag hielt Ingeborg Stadelmann, deren Buch „Hebammensprechstunde" in seinem 10. Erscheinungsjahr mit bisher 380.000 verkauften Exemplaren eines der meistgelesenen Bücher für werdende und junge Mütter im deutschsprachigen Bereich ist.

Unter dem Titel „Eine natürliche Geburt-aber schmerzfrei bitte" brachte sie mit schönen Bildern u.a. von einer Bergtour die wechselnden und oft bis dato unbekannten Gefühle und Erfahrungen der Gebärenden auf die entscheidenden Punkte: Die Geburt sei zwar ein seit Jahrmillionen leistbarer Vorgang, aber viele Frauen unserer Zeit haben sich bis zu ihrer eigenen ersten Geburtsarbeit kaum mit der „Natur" auseinander gesetzt.

Viele Frauen erleben durch die moderne Art von Betreuung eher Angst und Kontrolle - nachdem sie monatelang „mit dem Risiko schwanger geht", soll am Tag X „alles ganz normal sein" und sie soll sich dem Geschehen hin geben.

Frau Stadelmann gibt zu bedenken, dass es ohne die Angst der Frau vor der ihr unbekannten Geburtsarbeit den Beruf der Hebamme nicht gäbe. Anhand von Beispielen wie sich die Natur darstellt, verdeutlicht sie das Erlebnis der Geburt. Natur ist ein sanft an die Küste spülendes warmes Meer - aber auch heftige Wellen Gefahr und Bedrohung. Im Allgäuer Alpenbild spiegelt sich ebenso das Geburtsgeschehen: eine wunderschöne Landschaft, blühende Bergwiesen jedoch genauso schroffe Abhänge, an denen vielleicht schon einmal jemand abgestürzt ist, Geröllhalden, wärmende Sonne, Blumen und Tiere, friedliche Stille nahe an vereisten Gipfeln und hohen Zinnen die nur mit letzter Anstrengung zu erklimmen sind.

Die Autorin fragt sich, ob die Frau, die sich nie mit den Widrigkeiten und der Mühsal des Lebens auseinander gesetzt hat und die in der Schwangerschaft mehr über die Risiken und Gefahren gelernt hat, als über ihre Fähigkeit, extreme Situationen zu meistern nicht doch - verständlicherweise - den oft angebotenen und (vermeintlich) leichteren Weg, die „Seilbahn oder den Lift“, also im übertragenen Sinne die Schmerzausschaltung, die medizinische Kontrolle, den Kaiserschnitt verlangt, eine Flucht vor Mühe, Unberechenbarkeit, Kontrollverlust. Anschaulich und leidenschaftlich vermittelte uns Ingeborg Stadelmann einen Ausflug in diese Gefühlswelt und fragt uns „Hat sich die Frau Gedanken gemacht, dass es viele starke Wellen (Wehen) braucht, um einen harten und kantigen Stein rund zu schleifen?“ Geburt ist ein Vorgang bei dem die Frau den Boden unter den Füssen verliert und den Sternen näher ist. Kann die Hebamme die Frau auf dieser Reise in eine vorübergehende Anderswelt überhaupt wirklich begleiten?

Die Rolle der Hebamme ist doch vielmehr die der beschützenden „Mitfrau“, die nicht nur mechanisch den Damm schützt, sondern die Frau während der Geburt vor der Außenwelt schützt, so, dass die Gebärende auf den „Geburtstrip“ gehen kann. Schöne und gefühlsstarke Bilder, die für die meisten Hebammen einfach und ganz real sind. Stadelmann meint ganz richtig, dass genauso wie wir als Hebamme unter der Geburt spüren, was vor geht und was mit der Frau los ist, die Gebärende auch all unsere Gefühle spürt und unseren eventuellen Bedenken.

Um vertrauensvoll Mit-Frau sein zu können, muss die Hebamme sich ihrer selbst sehr bewusst sein und stets ehrliche und zuverlässige Aussagen machen. Und sie muss unbedingtes Vertrauen in die Fähigkeiten der Frau haben, auch wenn manchmal Hilfe und Unterstützung gefragt sind. Besonders gefallen hat mir die Bemerkung von Ingeborg Stadelmann über die vielen, oft aus weit entfernten Kulturkreisen stammenden Hilfs- und Behandlungsmethoden:

Sie wünscht sich eine Rückbesinnung auf unser ursprüngliches traditionelles Heilwissen, Kräuterheilkunde und natürliche Anwendungen.

Ergänzend können wir uns im Bedarfsfall der Homöopathie bedienen, bzw. stellt die von ihr weiterentwickelte Aromatherapie eine sanfte Methode dar:
die Aromatherapie beeinflusst das gefühlsintensive limbische System im Gehirn, eine leichte und angenehme Möglichkeit, die Frau auf ihrer Reise zu unterstützen.